Hat KI einen anderen Einfluss auf Kinder als auf Erwachsene?

Wer viel Wissen zu einem Thema aufgebaut hat, kann die Antwort einer LLM besser einordnen.

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Wie unterscheidet sich der Einfluss von KI auf Kinder und Erwachsene? Wie unterscheidet sich die Möglichkeit, KI einzuschätzen und zu werten, zwischen den jeweiligen Altersgruppen? Ebenfalls wäre interessant, wie sich die Wertung und Einschätzung in der Entwicklungsphase von Kindern zu Jugendlichen verändert.

Liebe Connie Huo,

vielen Dank für die Frage.

Zunächst möchte ich ein paar Begriffe eingrenzen: Von "Erwachsenen" sprechen wir in den meisten Ländern von Menschen ab 18 Jahren bis zu ihrem Tod. Das ist eine sehr grosse Altersspanne und in ihr gibt es natürlich Unterschiede. Meine Oma hat zum Beispiel noch nie ein LLM verwendet. Darum beschränke ich mich in meiner Antwort auf Menschen zwischen 18 und 65 Jahren.

Kinder und Jugendliche

Als Kinder bezeichnen wir Menschen grob zwischen 6 und 13 Jahren; als Jugendliche gelten Menschen zwischen 13 und 18 Jahren.

Simulation menschlicher Kommunikation

Auch der Begriff KI ist sehr breit. Ich beziehe mich in meiner Antwort auf die sogenannten Large Language Models (LLMs), die mit Texten umgehen. Diese Modelle sind sehr interessant, aber sie haben den Nachteil, dass sie nicht transparent machen, aus welchen Quellen sie ihre Informationen zusammentragen (was zum Teil auf urheberrechtlich bedenkliche Weise geschieht). Zugleich vermitteln sie Informationen in einer Weise, die der menschlichen Kommunikation sehr ähnlich ist. Deshalb schreiben Nutzer:innen LLMs oft menschliche Eigenschaften zu (ELIZA-Effekt). Problematisch daran ist, dass Nutzer:innen in der Folge oft darauf verzichten, die Zuverlässigkeit der Informationen zu hinterfragen, wie Sunhyo Oh et al. 2025 gezeigt haben.

Einschätzung von KI-Antworten

Kinder und Erwachsene unterscheiden sich in ihrer kognitiven Entwicklung (z.B. Risikoeinschätzung, abstraktes Denken, Perspektivenübernahme), aber auch im Wissen. Bei KI spielt zunächst natürlich das Wissen um Technologie eine Rolle. Weil Kinder weniger Wissen um die Technologie hinter den LLMs haben, neigen sie eher dazu, sie zu vermenschlichen, wie Jan Jakob Krüger et al. in ihrer Studie 2025 nachweisen.

Meta-Wissen

Wissen spielt auch eine Rolle in der Einordnung der Antworten. Wer viel Wissen zu einem Thema aufgebaut hat, kann die Antwort einer LLM besser einordnen. Nun haben Erwachsene in der Tendenz ein grösseres Vorwissen. Überdies verfügen sie über mehr Wissen über Wissen. Dieses sogenannte epistemologische Wissen umfasst unser Verständnis dafür, wie Wissen entsteht, wie Wissen sich durch die Wissenschaft verändert und wie es immer auch Fehler beinhalten kann. Dieses epistemologische Wissen bauen Menschen meist erst in der Sekundarstufe auf.

Darum fällt es Kindern in der Tendenz vermutlich schwerer, die Antworten von LLMs einzuschätzen als Jugendlichen, und Jugendlichen vermutlich schwerer als Erwachsenen. Hierzu habe ich allerdings noch keine passende Studie gefunden.

Insgesamt ist es aber wichtig, dass wir alle einen guten Umgang mit LLMs erlernen und Menschen darin befähigen, kritisch zu denken. Daran arbeiten wir in der Lernforschung.

Wichtig sind mir noch vier Aspekte:

  1. Auch innerhalb bestimmter Altersgruppen gibt es grosse Unterschiede zwischen Menschen.
  2. LLMs sind noch ziemlich neu und wir alle müssen hier dazulernen (Stichwort lebenslanges Lernen).
  3. Weil es so ein neues Thema ist, gibt es noch nicht so viele Studien dazu, vor allem keine Längsschnittstudien, die Personen über mehrere Jahre hinweg untersuchen. Das heisst, eventuell hängen manche Befunde gar nicht mit dem Alter zusammen, sondern mit der Kohorte, die man befragt.
  4. Viele LLMs sind erst ab 13 Jahren zugelassen. Darum ist es schwierig zu erforschen, wie Kinder mit LLMs umgehen.

Ich hoffe ich konnte dir mit meiner Antwort weiterhelfen. Ich finde die Frage spannend, und falls mir etwas einfällt, schreibe ich nochmal.