Liebe Forscherinnen und Forscher
Bis zu welchem Grad lässt sich logisches Denken üben? Hintergrund meiner Frage ist der Numerus Clausus (EMS/TMS) – und die vielen, teuren Kurse, die angeboten werden, um ihn zu bestehen. Ich selbst bin eine Person, die lange braucht, um logische Zusammenhänge zu erkennen.
Ich hatte selbst bereits eine Patientin mit Dyskalkulie, deren größter Wunsch es war, Ärztin zu werden. Sie hatte jedoch große Angst vor dem Numerus Clausus-Test, da dieser viele visuell-räumliche Aufgaben beinhaltet. Aus der Forschung wissen wir, dass viele Personen mit Dyskalkulie auch Schwierigkeiten im visuell-räumlichen Denken haben, da Rechnen und Mathematik eng mit räumlichem Denken verknüpft sind. So speichern wir zum Beispiel Zahlen räumlich in unserem Gehirn auf einer Art mentalem Zahlenstrahl. Insofern stellt der Numerus Clausus-Test in der Tat ein erhebliches Hindernis für Personen mit Dyskalkulie dar.
Ich bin jedoch überzeugt, dass auch Menschen mit Dyskalkulie gute Ärzt:innen werden können. Zudem ist es nicht zwingend, dass alle Personen mit Dyskalkulie visuell-räumliche Schwierigkeiten haben.
Die Universität Zürich hat ein Büro für Gleichstellung, „Equality, Diversity, Inclusion“, das möglicherweise weiterhelfen kann, wenn es darum geht, für den Numerus Clausus-Test einen Nachteilsausgleich aufgrund einer Dyskalkulie zu erhalten. Eine diagnostizierte Dyskalkulie wird aus juristischer Sicht als Behinderung anerkannt (BehiG, Art. 1 Abs. 1 und Abs. 2, Art. 5 Abs. 2), weshalb Betroffenen ein gesetzlich begründeter Nachteilsausgleich zusteht. Ein solcher Ausgleich könnte beispielsweise einen Zeitzuschlag für die Aufnahmeprüfung oder ähnliche Anpassungen umfassen.
Ich hoffe, damit etwas weiterhelfen zu können und stehe für weitere Fragen jederzeit gerne zur Verfügung.
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