Ich schreibe eine Maturaarbeit über den Kosovo-Serbien-Konflikt von 1999. Ich möchte Interviews mit Überlebenden des Krieges führen und anhand der Resultate ein gewisses Muster erstellen, um die Unterdrückungsmethoden anschaulich zu machen. Geschichtlich bin ich gut ausgerüstet, jedoch verzweifle ich bei der Auswertung der persönlichen Geschichten. Und welche Fragen sollte ich stellen und welche vermeiden? Und wie kann ich dann solche persönlichen Erzählungen auswerten und ein Muster erstellen?
Liebe Samoella Domgjoni,
Sie stellen eine spannende und wichtige Frage. Sie ist allerdings nicht ganz einfach zu beantworten. Die Geschichtswissenschaft und die qualitative Sozialforschung haben verschiedene Methoden entwickelt, um Interviews auszuwerten. Zudem beschäftigt sich die Forschung mit der Frage, wie ein Leitfaden für narrative Interviews entwickelt werden kann.
Es sind also sehr grosse Fragen, die Sie sich vorgenommen haben. Studierende an den Universitäten besuchen in der Regel mehrere Kurse, um sich in diesen Themengebieten auszubilden.
Ich würde Ihnen vorschlagen, sich von ein oder zwei Einführungsbüchern zum Thema inspirieren zu lassen. Hilfreich finde ich das Buch von Julia Obertreis zu Oral History. Basistexte von 2012.
Viele Forscher:innen orientieren sich bei der Auswertung von Interviews an der Inhaltsanalyse nach Mayring. Für eine Maturarbeit ist dies jedoch eine sehr aufwendige Methode.
Sie könnten jedoch ein etwas vereinfachtes Vorgehen anwenden und beispielsweise Themen herausfiltern, die in allen Interviews immer wieder vorkommen. Eine andere Möglichkeit wäre, sich auf eine beschränkte Anzahl von Themen zu konzentrieren, die sich stark kontrastieren. Klar ist, dass Sie nicht alle Themen, die in den Interviews angesprochen werden, in Ihrer Arbeit behandeln können. Es ist aber durchaus spannend, eine Auswahl von Themen, die Sie als besonders relevant erachten, herauszuarbeiten und zu bündeln.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Überlegungen etwas weiterhelfen.
Mit freundlichen Grüssen,
Sonja Matter
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