Sind die Corona-Leaks des Robert Koch Instituts brisant – und wenn ja, warum?

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Hallo, können Sie mir die Relevanz der Corona-Leaks des Robert Koch Instituts genauer erklären? Welche Punkte daraus sind problematisch und warum?

Lieber Simon

Falls sich Deine Frage darauf bezieht, ob bei der Veröffentlichung der weitgehend entschwärzten RKI-Protokolle Brisantes oder gar Skandalöses zum Management der Corona-Pandemie in Deutschland zum Vorschein gekommen sei: meiner Meinung nach nicht. Die Protokolle zeigen vielmehr, dass die Kolleg:innen in Deutschland nach bestem Wissen und Gewissen Empfehlungen abgegeben haben, um die Pandemie zu bewältigen.

Viele Herausforderungen – keine Skandale

Die Protokolle helfen, die Herausforderungen zu verstehen, mit denen ein Expertengremium in einer Pandemie konfrontiert ist. Vermeintlich Brisantes betrifft vor allem Kommunikationsprobleme – nicht aber die inhaltlichen Bewertungen und empfohlenen Massnahmen.

Ein paar Beispiele: 

  1. Das RKI musste Risikobewertungen und Empfehlungen in einem Umfeld abgeben, in dem unser Wissen über SARS-CoV-2 und COVID-19 zu Beginn sehr lückenhaft war. Man musste sich vortasten – was im Nachhinein leicht als Unwissen oder Verschwörung ausgelegt werden kann.
  2. Wenn man einzelne Sätze aus den Protokollen herausgreift und behauptet: „Voilà, hier zeigt sich ein Widerspruch oder sogar eine Verschwörung“, wird man der Komplexität der Diskussionen nicht gerecht. Die Protokolle zeigen im Gegenteil, wie umfassend sich das RKI mit den verschiedenen Fragen auseinandergesetzt hat. Die Informationsflut zu bewältigen und zugleich adäquat zu kommunizieren, war eine enorme Herausforderung.
  3. Die Tätigkeit an der Schnittstelle von öffentlicher Gesundheit und Politik bedeutete, dass das RKI eine enorme integrierende und übersetzende Aufgabe hatte. Dabei war das Risiko von unvollständiger, missverständlicher und verzögerter Kommunikation hoch.

Zwei Denkanstösse

Erstens – die Tücken stecken im Detail. Ein Hauptgrund für die Verzögerung der öffentlichen Zugänglichkeit der Protokolle war der Schutz personenbezogener Daten. Nicht alle in den Protokollen genannten Personen haben der Veröffentlichung ihrer Daten zugestimmt.

Zweitens – Transparenz ist ein guter Begleiter. Vielleicht wäre es klüger gewesen, die Protokolle frühzeitig und möglichst vollständig zu veröffentlichen. Denn letztlich findet sich darin – abgesehen von den allgemeinen Herausforderungen einer Pandemie – kaum etwas wirklich Brisantes.

Ich hoffe, dass ich Deine Frage beantworten konnte, auch wenn ich eher darauf eingegangen bin, warum die Leaks nicht brisant sind.

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